Warten, nur worauf eigentlich?

Gerade ist die Zeit des Wartens. Warten, auf die nächste Meldung, die nächste Pressekonferenz, den nächsten zugelassenen Impfstoff, die nächsten Auflagen, Hilfen, Konferenzen. Warten. Warten. Warten. Warten. Darauf, seine Lieben wiederzusehen ohne Bildschirm dazwischen. Warten, dass sich die Türen der Kultur wieder öffnen. Warten, dass ich meine Leidenschaft fürs Theater wieder persönlich weitergeben kann. Warten, dass es wieder „normal“ wird. Warten. Was heißt überhaupt normal?

Ich fühl mich, als hätte jemand die Pausentaste gedrückt.

Warten ist wie auf Pause drücken. Das Leben kann aber nicht warten, es hat keine Pausenfunktion. Es geht weiter, egal wie leise, egal wie einsam. Es geht weiter. Also dürfen wir überhaupt warten?
Wir müssen derzeit aufeinander Acht geben, uns zurücknehmen, viel Zuhause sein. Das ist richtig so, doch wie sollten wir diese Zeit nutzen? Wenn du jetzt erwartest, dass ich einen Plan habe, eine Lösung, dann muss ich dich enttäuschen. Den habe ich nicht. Und es gibt Tage, die laufen so an mir vorbei, ohne, dass ich schon wieder eine neue Sprache gelernt habe, oder ein neues Fitnessprogramm absolviert habe. Selbstoptimierung, nein danke.

Diese Welle der Selbstoptimierung, die gerade auf uns zurollt, macht mich manchmal wütend. Ich habe das Gefühl, ich werde überrollt. Von überall sagt mir jemand, wie ich diese Zeit besser, sinnvoller, effektiver nutzen kann. Warum habe ich mein Haus noch nicht komplett saniert? Wo bleibt der Roman, den ich immer schreiben sollte? Aber vielleicht will ich das gerade nicht. Oder ich kann gerade nicht, weil meine kleine Tochter die volle Aufmerksamkeit fordert, da ihr im Moment die gleichaltrigen Spielgefährten fehlen.

Aber deshalb fühle ich mich nicht schlecht. Falsch, das war gelogen. Manchmal überkommen mich Sekunden, in denen ich mich unzulänglich fühle. Wie schaffen das die anderen mit drei Kindern, Homeschooling und Homeoffice, die dann noch nachts ein neues Onlinegewerbe gründen? Ich falle abends aufs Sofa. Und möchte…

nichts mehr. Vielleicht noch ein Glas Wein. Aber sonst – nichts. Kein Lärm, keine Ablenkung, einfach mal Ich-Zeit. Aber da wartet dann noch die Wäsche und die Spülmaschine und das Bad ist auch ewig nicht geputzt und das Bild wollte ich doch auch schon längst mal aufgehängt haben und, und, und. Naja, das kann dann auch mal warten.

Liebes Geschirr, halt einfach mal die Klappe.

Wir warten ja schließlich auch, da kann sich doch das Geschirr auch mal gedulden und dreckig bleiben. Ich habe mich schließlich auch seit drei Tagen nicht geduscht.
Warum stellen sich alle anderen Dinge so an? Ach, woher soll ich überhaupt irgendwas wissen. Ich hab Gehirnschwund.

Es muss doch noch was geben zwischen Warten und Selbstoptimierung. Irgendetwas. Etwas. Was.

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